KLU Talks Business mit Josef Heinz

Wie bleibt ein Familienunternehmen nach fast 90 Jahren beweglich? Welche Rolle spielen KI, Digitalisierung und junge Perspektiven für den Logistik-Mittelstand? Und was passiert, wenn Studierende mit einem Unternehmen an diesen konkreten Zukunftsfragen arbeiten? Antworten gibt Josef Heinz, geschäftsführender Gesellschafter der HEINZ Gruppe im Interview.

Josef Heinz

Josef Heinz ist Teil der dritten Generation im Familienunternehmen HEINZ. Nach seinem BWL-Studium und fünf Jahren in einer großen Kanzlei in Mittelstandsberatung, Steuerberatung und Wirtschaftsprüfung kehrte er 2003 in das Familienunternehmen zurück. Heute beschäftigt er sich unter anderem mit Finanzen, Rechnungswesen, Transportlogistik und dem Thema Nachfolge. Schmunzelnd bezeichnet er sich selbst als „Familienoffizier“, denn inzwischen bindet er schon die vierte Generation in die Gesellschafterrolle ein. 

HEINZ ist ein traditionsreiches Familienunternehmen. Wie gelingt es, Erfahrung und Zukunftsfähigkeit zusammenzubringen?

Josef Heinz: Ich glaube, genau diese Fähigkeit, sich immer wieder neu zu erfinden, macht den Mittelstand aus. HEINZ ist als Transportunternehmen gestartet, hat sich stark in Richtung Abfallwirtschaft entwickelt und in den vergangenen 10 bis 15 Jahren den Transport- und Logistikbereich wieder deutlich ausgebaut – ein Stück weit also „back to the roots“.
Aktuell ist das Umfeld schwer planbar: Corona, Ukraine-Krieg, geopolitische Unsicherheiten und schwache Konjunktur führen dazu, dass wir stark auf Sicht fahren. Wir haben Prozesse immer schon so weit wie möglich digitalisiert, aber KI ist noch einmal eine andere Dimension.

Entscheidend ist deshalb, die Mitarbeitenden mitzunehmen. Bei uns arbeiten Menschen, die kurz vor dem Ruhestand stehen, ebenso wie junge Mitarbeitende, die neuen Tools sehr offen begegnen. Diese Gruppen zusammenzubringen, ist eine Herausforderung. Dabei hilft der Mehrgenerationenblick: Wir probieren Dinge selbst aus, gehen mit gutem Beispiel voran und versuchen, Angst vor Neuem abzubauen.

Das gilt auch für die Familie. Uns ist wichtig, keinen Druck aufzubauen. Die nächste Generation muss von sich aus Lust darauf haben. Ich selbst war durch Studium und Berufsstation außerhalb unseres Familienunternehmens länger „weg“ als geplant und habe den Wechsel aus dem sehr akademischen Umfeld in Frankfurt als kleinen Kulturschock erlebt, meinen Weg aber nie bereut.

Beim „Deep Dive Mittelstandslogistik“ exklusiv mit HEINZE am 5. Februar 2026 waren drei Gesellschafter:innen und der Fachbereich Unternehmensentwicklung mit rund 80 Studierenden im Gespräch. Im Mittelpunkt: KI, Robotik und Digitalisierung . Was macht den Austausch mit Studierenden für HEINZ besonders wertvoll?

Josef Heinz: Besonders wertvoll ist der Blick von außen. Im eigenen Unternehmen bewegt man sich leicht in Routinen und Denkmustern. Studierende stellen andere Fragen und schauen anders auf Themen, als wir es aus dem operativen Alltag heraus tun. Wissenschaftliche Perspektiven und unternehmerische Praxis kommen direkt zusammen.

Mit der KLU hat sich einiges entwickelt: die Deep Dive Challenge, die Unterstützung von Studierenden über das Deutschlandstipendium und eine Werkstudentin von der KLU bei uns im Unternehmen. Nicht zuletzt schreibt mein Sohn gerade seine Masterarbeit an der KLU.

Was braucht es, damit aus solchen Impulsen echte Innovation entsteht?

Josef Heinz: Vor allem Zeit und Aufgeschlossenheit. Alle haben ihr Tagesgeschäft. Wenn aus Ideen etwas entstehen soll, muss man den Menschen die Freiheit geben, sich damit zu beschäftigen und Dinge umzusetzen.

Nicht aus jeder Idee entsteht sofort ein fertiges Projekt. Aber manchmal reicht schon ein veränderter Blickwinkel. Gerade bei KI zeigt sich: Technologie allein schafft noch keine Innovation. Entscheidend ist eine Kultur, in der Ausprobieren erlaubt ist und Unsicherheit abgebaut wird.

Das gilt auch für die Nachfolge. Wer einsteigt, muss wirklich Freude daran haben. Unternehmertum ist kein Nine-to-five-Job. Ich sage gerne: Unternehmer ist man aus Leidenschaft, weil das Unternehmen sonst Leiden schafft. Als Nachfolger wird jede Reaktion wahrgenommen und interpretiert. Deshalb braucht Nachfolge Zeit, Vertrauen und ein gutes Rollenbewusstsein.

Die KLU in drei Worten?

Josef Heinz: Sympathisch. Zukunftsorientiert. Weltoffen.

HEINZ bietet Lösungen für Entsorgung, Recycling, Kreislaufwirtschaft und Logistik. Dabei verbindet das regional verwurzelten Familienunternehmens Verlässlichkeit mit der Leistungsfähigkeit eines modernen Kreislaufwirtschafts- und Logistikdienstleisters.

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  • “KLU Talks Business”-Serie: alle Interviews

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