Humanitäre Logistik: Wie Forschung humanitäre Hilfe verbessert
Ein neues Paper von Professorin Erica Gralla (George Washington University) und KLU-Professorin Maria Besiou untersucht, wie Forschung in der humanitären Logistik stärker in die Praxis wirken könnte – und warum das manchmal so schwer ist.

Humanitäre Organisationen arbeiten häufig unter extremem Zeitdruck. In Krisen- und Katastrophensituationen müssen sie entscheiden, welche Hilfsgüter wo gebraucht werden, wie knappe Ressourcen verteilt werden und wie Lieferketten auch dann funktionieren, wenn Infrastruktur beschädigt oder Informationen unvollständig sind.
Die Lücke zwischen Paper und Praxis
Das Paper wurde zur Veröffentlichung im European Journal of Operational Research angenommen. Darin untersuchen Gralla und Besiou, wie Forschung in der humanitären Logistik nicht nur Wissen produziert, sondern tatsächlich Entscheidungen, Prozesse und Strategien in der Praxis beeinflussen kann.
Grundlage der Studie sind eine Analyse von 640 wissenschaftlichen Abstracts, rund 130 Redebeiträge von praxisbezogenen Konferenzen, eine Befragung der Forschungsgemeinschaft sowie knapp 20 Interviews mit erfahrenen Praktiker:innen aus dem humanitären Bereich.
Die Ergebnisse zeigen: Forschung kann in der Praxis Wirkung entfalten – etwa indem sie Prozesse verbessert, Diskussionen in Organisationen verändert oder neue strategische Ansätze ermöglicht. Gleichzeitig bleibt dieser Einfluss bislang begrenzt. Viele Erkenntnisse schaffen es nicht oder nur sehr langsam aus der wissenschaftlichen Publikation in die konkrete Anwendung.
Wirkung ist mehr als Veröffentlichung
„Humanitäre Forschung sollte nicht nur innerhalb der Wissenschaft Wirkung entfalten, sondern Menschen dabei helfen, in Krisensituationen bessere Entscheidungen zu treffen“, sagt Maria Besiou. „Besonders wirksam wird Forschung dann, wenn Wissenschaft und Praxis von Anfang an gemeinsam an Lösungen arbeiten.“
Das Paper zeigt, dass Wirkung nicht erst nach der Veröffentlichung beginnt. Entscheidend ist, wie eng Forschende bereits bei der Entwicklung von Fragestellungen, Modellen und Lösungen mit humanitären Organisationen zusammenarbeiten. Forschung muss methodisch stark sein – aber auch verständlich, anschlussfähig und relevant für diejenigen, die unter realen Krisenbedingungen handeln.
Für Besiou ist das ein zentraler Anspruch ihrer Arbeit an der KLU: humanitäre Lieferketten so zu gestalten, dass Hilfe schneller, verlässlicher und gezielter dort ankommt, wo sie gebraucht wird.
Über das Paper
Titel: From the ivory tower to the field: The impact of humanitarian operations research on humanitarian practice
Autoren: Erica Gralla, Maria Besiou
https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0377221726005047







